CASTELLS

Castells sind Menschenpyramiden, die traditionell bei katalanischen Festen errichtet werden. Die katalanische Tradition, Menschentürme zu bauen, reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück und gehört seit 2010 zum Immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO.

Die Teilnehmer (Castellers) steigen jeweils auf die Schultern ihrer Unterleute, bis eine bestimmte Höhe erreicht ist. Mittlerweile sind die höchsten Menschentürme bis zu 10 Ebenen hoch.

Das Motto der Castellers –”Força, Equilibri, Valor i Seny” (“Kraft, Gleichgewicht, Mut und Sinn”) – reflektiert die Qualitäten, welche dafür sorgen, dass die zahlreichen Mitglieder einer Colla castellera, einer Turmbaumannschaft, in gemeinsamer Anstrengung solche menschlichen Türme in die Höhe wachsen lassen. sHeute gelten die Castells als wichtiges Symbol der eigenständigen Kultur und Zusammengehörigkeit Kataloniens.

Foto Xics de Granollers: http://www.xics.cat/web/

Die Castellers sind in Gruppen organisiert, sogenannte Colles Castelleres. In Katalonien gibt es rund 60 solcher Vereinigungen, die im Verband Coordinadora de Colles Castelleres de Catalunya organisiert sind. Der Verband vertritt die Interessen aller Colles, und eine seiner wichtigsten Aufgaben ist die Sicherung eines angemessenen Versicherungsschutzes für alle seine Mitglieder.

Eine Menschenpyramide besteht aus:

Pinya (Zapfen): Die Basis wird von Dutzenden Menschen gebildet, die sich in engen Ringen umschließen.  Die Pinya trägt alle weiteren Ebenen und mildert die Folgen eines Einsturzes, falls das Castell zusammenbricht.

- Tronc (Stamm): Es handelt sich um die Struktur der Castellers, die oberhalb der Pinya klettern und den eigentlichen Turm bilden.

- Pom de Dalt (Kuppel): Die Spitze des Castells wird von der Canalla (Kinder) gebildet und besteht jeweils aus:

Dosos: zwei stehende Castellers;

Aixecador (Träger): ein Kind, das oben auf der Pyramide kniet.

Enxaneta: ein Kind, das sich über den Aixecador stellt und kurz einen Arm hochreißt (l’Aleta) um zu zeigen, dass die Pyramide vollständig und erfolgreich gebaut wurde.

Die Castellers tragen spezielle Kleidung: enge weiße Hosen, Hemden mit hochgekrempelten Ärmeln (die Farbe hängt vom Colla ab), ein Tuch um den Kopf und eine faixa um die Hüfte (Bauchbinde). Aus Sicherheitsgründen tragen die Kinder der Kuppel Helme.

Musik spielt bei Menschenpyramiden eine wichtige Rolle: So begleitet eine spezielle Melodie den Aufbau, eine andere den Abbau. Dabei hat sich über die Jahrhunderte die musikalische Begleitung durch die Gralla (katalanische Schnabelflöte) erhalten. Zu jeder Colla Castellera gehört daher eine Gruppe mit Musikanten.

Alle zwei Jahre findet in Tarragona ein Wettbewerb der Colles Castelleres (Concurs de Castells) statt. Volle Punktzahl erhält nur ein Castell, das nach erfolgreichem Aufbau auch wieder vollständig abgebaut (descarregat) wurde. Ein Menschenturm gilt mit der Aleta des Enxaneta als aufgebaut (carregat), selbst wenn er vor dem vollständigen Abbau einstürzt.  In diesem Fall gibt es Punktabzug. Keine Punkte gibt es hingegen, wenn der Aufbau der Castell vorher abgebrochen wurde (intent).

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